Dagmar Berghoff und Chefarzt Prof. Egberts

Eine OP mit dem Roboter – aus der Sicht einer Laiin
Früh aufzustehen ist nicht so mein Ding, aber diesmal war es leicht: Frau Brecht und ich durften bei einer realen Roboter-OP von Prof. Egberts dabei sein! Das Procedere davor kannte ich schon durch eine der Hausführungen des IK-Freundeskreises. Hinauf in den 4. Stock, in die Schleuse hinein, sich ausziehen bis auf die Unterwäsche. Danach eine sterile blaue Hose anziehen, eine Bluse und Holzpantoffel, das Haarnetz richtig aufsetzen und eine OP-Maske anlegen. Dann wurden wir von Prof. Egberts in den relativ kleinen, kühlen Roboterraum (OP-Saal mit dem da Vinci-„Roboter“) geführt und durften ab jetzt auf keinen Fall irgendetwas berühren. Völlig versteckt und bereits in Narkose lag die zu operierende Person unter Wärmedecken, fast wie geborgen in dem großen fünfarmigen Roboter. Nur den Bauch konnte man sehen mit einem kleinen Zugang, einem Mini-Schlauch unter dem Nabel. Die Diagnose: Ein Krebsgeschwür sollte entfernt werden.
Der Anästhesist Dr. Stiller war da, zwei OP-Schwestern und Dr. Korr, der direkt vor dem Roboter saß, um Prof. Egberts zu assistieren, indem er verschiedene Stäbe, an denen die benötigten Instrumente befestigt sind, durch Röhren in den Bauch schiebt. Der Professor Egberts setzte sich an ein Tischchen, an die sogenannte „Konsole“, und steckte seine Arme in zwei dicke Röhren, durch die er nur über den Bildschirm ferngesteuert mit kleinsten Messern und Scheren im Bauch der zu operierenden Person „herumwerkeln“ konnte. Auf dem Monitor sah man, deutlich zu erkennen, die Leber, aber drumherum ein für mich wirres Durcheinander: dicke Würste (der Dickdarm), gelbliches Fettgewebe, das immer wieder beiseitegeschoben werden musste, den Magen und das Zwerchfell.
Chefarzt Prof. Egberts erklärte uns genau, wie er vorging. Er schnitt den Tumor heraus sowie das Umfeld. Das Gewebe wurde vorsichtig herausgezogen und noch während der laufenden OP zur Biopsie geschickt. Noch während der OP kam schon der Befund aus dem Labor zurück: Alle schädlichen Teile sind entfernt worden. Aber es gab einen weiteren Zufallsbefund, der dann mitverfolgt wurde: „Das machen wir jetzt gleich mit“. Keinerlei Hektik im Raum. Es ging überhaupt erstaunlich ruhig zu, nur manchmal gab der Professor kurze Kommandos. Es wurde geschnitten, genäht mit Fäden, die zum Teil winzige Widerhaken hatten und mehrere Knoten gemacht, und das alles nur über den Bildschirm wahrnehmbar für den Chirurgen. Manchmal stockte mir der Atem, weil es so brutal und schmerzhaft aussah, wenn der Professor mit den Nadeln in die Organe stach und sie zusammennähte, aber es ist nicht schmerzhaft, auch nicht im Nachhinein. Es ist die schonendste Methode für solch einen Eingriff, und schon nach zwei bis drei Tagen wird die operierte Person wieder fit sein. Sie wird keine große Narbe haben, sondern kleinste Schnitte, die schnell verwachsen.
2 ½ Stunden hat die OP gedauert, sie vergingen wie im Flug, aber der Eindruck, etwas Großartiges miterlebt zu haben, wird für mich unvergesslich sein. Mit Worten richtig ausdrücken kann ich es gar nicht, es war irgendwie „irre“, ich war überwältigt, vollkommen fasziniert – und ehrlich gesagt, auch stolz auf unsere Ärzte und Ärztinnen, die so etwas beherrschen. Zwei Jahre harte, intensive Arbeit sind nötig, auch um eine sensible Fingerfertigkeit zu schulen, bis man als Chirurg roboterassistiert operieren kann. „Nicht jeder ist dafür geeignet oder hält das durch“, meinte Prof. Egberts bei der anschließenden Tasse Kaffee. Er hat inzwischen 4 Ärzte am IKH dafür ausgebildet. Weitere zwei OPs mit dem da Vinci waren an diesem Tag noch angesetzt.
Danke, dass ich an diesem Morgen dabei sein durfte!
Ihre Dagmar Berghoff
Freundeskreis-Vorstandsvorsitzende
P.S. Wir haben uns finanziell an diesem besonderen, sehr teuren Roboter beteiligt. Nur wenige Krankenhäuser besitzen ein solch komplexes Gerät. Darauf können Sie als Mitglieder des IK-Freundeskreises wirklich stolz sein.
Juni 2025

Dagmar Berghoff am Platz von Prof. Egberts – an der da Vinci-Konsole

Von links: Prof. Egberts, Dagmar Berghoff, Dr. Freitag